Fotos: Constantin Gerlach
Text: Marion Dziwnik

English version below. All photos after the text.

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Barcelona. Die Frisur pappt.

Nach einer furchtbar stressigen Anreise haben Kim und ich Marco und Gert dazu genötigt uns die Räder aufzubauen. Völlig mit den Nerven am Ende machen wir sie dazu auch noch blöd von der Seite an. Danke Marco und Gert! Ihr seid bombe. Wir haben euch lieb!

Eike hat beim Aufbau seine Sattelklemme zerstört. Er muss jetzt bis zum Rennstart am nächsten Tag ohne Sattel fahren. „Saddle-less is the new brake-less“ wird zum Spruch des Abends. Die Stimmung schwankt zwischen total entnervt bis absurd witzig.

Viel zu spät kommen wir erst auf der Pre-Party bei Dosnoventa an. Wir gehen noch schnell um die Ecke was essen, da ist die Party auch schon vorbei. Trotzdem treffen wir viele alte Bekannte. Fixed Pott, 8bar, Mess Pack und vor allem auch den Rest von Team Standert: Constantin, Jonas, Eric und Alex.. so langsam kommen wir endlich an. Auch mit der Stimmung geht es bergauf.

Neben dem ganzen Anreisestress bleibt kaum Zeit um vor dem Rennen am nächsten Tag nervös zu werden. Um 12 geht es schon für die ersten von uns los.

Zuerst sind die Boys dran. Für Team Standert starten Alex und Peter. Beide schaffen es leider knapp nicht ins Hauptrennen. Schade! Die Stimmung ist trotzdem super.
Das Wetter ist bombe, die Strecke macht irre Spaß und es ist immer jemand im Feld den man gerne laut anfeuern möchte.

Dann bin ich dran. Nach einem für mich weniger erfolgreichen Qualifying reihe ich mich auf Position 22 im Startblock ein.

Start in 9,

8.

7.

6.

..Ich erinnere mich noch daran wie mich Maxe nach meinem Sieg auf der Kartbahn im Frühjahr gefragt hat ob ich jetzt auch beim Red Hook mitfahre. Da habe ich nur gelacht und etwas wie „das ist mir auf jeden Fall ‘ne Nummer zu groß“ und „dann müsste ich ja aufhören Feiern zu gehen und ernsthaft trainieren“ geantwortet…

5.

Jetzt steh ich hier. Gemischte Gefühle. Irgendwas zwischen „ich hab voll Bock“ und „ich hab unendlich Angst“, und doch fühlt es sich irgendwie richtig an. Verrückt!

4.

Ich hatte einen super Trainingssommer. Fast täglich habe ich mit Peter, Eike und Atzel zusammen auf dem Tempelhofer Feld trainiert. Die Gruppendynamik ist der Hammer. Mit den Jungs zusammen habe ich das „an der Kotzgrenze fahren“ für mich entdeckt und hart Feiern tue ich jetzt umso mehr.. nämlich nach den oft erfolgreichen Rennen.

3.

..am Ende blieb mir gar keine andere Wahl als mich für dieses krasse Rennen hier anzumelden.

2.

1.

Go! Go! 46 Frauen sind bereit zu rasieren. Ich starte aus der dritten Reihe,Vollspeed in die erste Runde. In der Haarnadelkurve mache ich immer ein paar Plätze gut und komme schnell irgendwo zwischen Platz 5 und 10 an. Das Tempo ist ok- „in meiner Komfortzone“ würde Peter sagen- aber wie die Ladies um mich herum ausrasten macht mich fertig. Gedrängel, Gepöbel, Geschreie und ich mittendrin scheiße mir ein aus Angst umgekegelt zu werden. Weiter vorne fahren geht auch nicht, weil ich mir nicht zutraue das bis zum Schluss durchzuhalten. In der Haarnadelkurve höre ich jedes Mal wie eine ganze Meute Menschen meinen Namen brüllt. Das motiviert mich und gibt mir die Kraft mich nicht einschüchtern zu lassen und dran zu bleiben.

Ungefähr zur Halbzeit knallt’s dann endlich. Direkt links vor mir. Ich kann grade noch so ausweichen, aber das Rennen muss neutralisiert und ab dieser Runde neu gestartet werden. Wie belastend! Ich hab keinen Bock mehr. Mein Kopf ist durch. Tut schon weh vom maximal konzentriert sein. Ich weine gleich. Fleur weint auch. Sie war im Sturz verwickelt und ist grade ins Rennen zurückgekehrt.

Egal. Wenigstens starte ich jetzt aus der ersten Reihe und spätestens in der guten alten Haarnadelkurve wird mir wieder die nötige Dosis Motivation zugebrüllt.

Ich habe meine Position zwischen 5 und 10 für gut befunden und bin gespannt was nun in den letzten Runden passiert. Ungefähr vier Runden vor Schluss wird das Tempo auf der langen Geraden nochmal absurd langsam. Die Ladies vorne wollen ihre Kräfte sparen, klare Sache! In dem Moment ballert rechts eine an mir vorbei bis nach ganz vorne und im Nachhinein denke ich, dass das der richtige Moment für mich gewesen wäre um auch aus meiner Komfortzone rauszukommen (Notiz an mich selbst). Ich ärgere mich ein wenig, dass ich den Moment verpasst habe. Die nächsten Runden werden wieder unruhiger. Ich traue mich nicht mehr nach vorne zu fahren.

Letzte Runde. Es geht um die Wurscht! Alle rasten aus. Ich hab unendlich Angst. Das geht doch nicht gut! Recht sollte ich haben. In der Haarnadelkurve und wieder links vor mir knallt’s. Ich schlawiener mich drumherum und finde mich in einem total leergeräumten Feld wieder. Total paralysiert ist es fast geschenkt den 7ten Platz nach Hause zu fahren. Ich bin unendlich glücklich.

Das war’s also. Mein erstes Red Hook Crit. Ich freue mich sehr darüber, dass meine Fitness und meine Technik anscheinend ausreichen um in diesem krassesten Rennen mitzuhalten. Auf der anderen Seite habe ich gesehen, dass ich noch viel selbstbewusster und aggressiver werden muss um da vorne wirklich was zu reißen.

Aber was zählt ist dass ich Bock habe. Krass Bock mich weiterzuentwickeln. Krass Bock eine von den Ladies zu sein die da vorne ausrasten. Krass Bock auf Mailand!

Danke an Alle, die mir während des Rennens meinen Namen zugebrüllt haben. Ihr habt mir die mentale Kraft gegeben um den Nervenkrieg da durchzustehen und ohne euch wäre ich bestimmt nicht so weit gekommen.

Danke auch an Johanna, die mich bei meinem ersten Red Hook am Händchen genommen und mir dadurch ein gutes Stück meiner Nervosität genommen hat.

Danke an Peter, der unser Training auf dem Tempelhofer Feld in den entscheidenden Wochen angeleitet hat und ohne den ich bestimmt nicht so schnell geworden wäre und Danke auch an Eike und Atzel die mich mit sehr viel Spaß immer wieder aus meiner Komfortzone gefahren haben. Mein Trainingssommer hätte nicht besser laufen können als so wie mit euch!

Ein letztes Danke geht schließlich noch an die RSU und alle die sonst noch von zu Hause aus das Rennen verfolgt und mitgefiebert haben. Ich hab mich wirklich riesig über euer Feedback gefreut!

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Barcelona.

After a horrible stressful trip Kim and I forced Marco and Gert to set up our bikes. Completely stressed out we even annoy them while they do so. Thank you Marco and Gert. You’re the best, we love you!

Eike destroyed his seat clamp while setting up his bike. That’s why he rode around Barcelona seat-less. „Seat-less is the new brake-less“ we joked. The mood was going from stressed out to ridiculously funny, back and forth.

Way too late we arrive at the Dosnoventa party. We just rode around the corner to grab something to eat and as we came back the party was all over already. Nontheless we met a lot of familiar faces such as 8bar, Fixedpott, Mess Pack and most importantly the rest of Team Standert: Constantin, Jonas, Eric and Alex. We’re starting to arrive in Barcelona. And the mood is constantly getting better.

Besides all the traveling stress there’s not even time to get nervous because of the big race on the next day. At noon it started to get serious for the most of us.

First the boys. Unfortunately Alex and Peter did closely miss the time necessary to get into the final. The spirits were still on a high. The weather was perfect, the course was incredibly fun to ride and there was always someone racing you could cheer for.

Then it’s my turn. After my not so perfect qualifying took my spot in the starting grid. Starting from 22nd position.

Start in 9.
8.

7.

6.

I remember that moment after my RadRace win in Berlin when Maxe asked me if I was going to race the Red Hook now. I laughed and and told him that it’s way too big for me. And that I would have to quit partying and work out seriously…

5.

Well, now I am here. Mixed emotions. Somewhere in between “super stoked” and “super scared”. But still it felt right. Crazy!

4.

I had great summer of training. Almost daily I trained with Peter, Eike and Atzel together on the Tempelhofer Feld. The group was great with great spirit and with those guys I learned to get to my “vomit limit”. And the partying almost got more with celebrating top results frequently.

3.

At the end the was no chance not to race the Red Hook Crit.

2.

1.

Go! Go! 46 women are off to kill it. I’m starting from third row. Full throttle into the first round. The hairpin turn was good to me and I always made up a couple positions and find myself somewhere between position 5 to 10 quickly. The tempo is ok – in my “comfort zone” – as Peter would say. But the ladies around me are freaking out and that freaks me out. Pushing, yelling, trashtalk and me right in there being afraid to be taken out by someone. Moving up did not seem like an option as I was afraid I can’t hold the pace for the entire race. In the hairpin I always get an extra boost from a mob yelling my name, pushing me out of the turn motivated. I am not giving in.

We’re half way through and then in happened. Left in front of me is the crash. I just came around but the race was neutralised. Annoying! I am on low, want to quit. Due to concentration my head hurts. I could cry. Fleur cries. She was in the crash and just made it back on the course.

Whatever. At least I am starting from first row now. And the cheering mob in the hairpin refuels my spirit.

I was fine with my position between 5 and 10 and was excited to what was still happening in the last laps. Into the last four laps the pace slowed down extremly. The ladies in the front wanted to safe energy. Just in that moment someone hammers through on my right side and leads the pack. Now I think that should have been my attack. It would have been the right time to leave the comfort zone (note to myself). A moment of disappointment and then back to racing. The last laps have been stressful again, I’m scared to get back to the front.

Last lap. All in now. Everybody freaks out! I’m scared as hell. This is not going to end well for everybody. I was right. Again in the hairpin, again to my left, again a crash. I somehow made it through and find myself in an almost swept field. Almost paralyzed I was grateful to take the 7th place as a present. And I am endlessly happy!

That’s it. My first Red Hook Crit. I am super happy that my fitness and skill level obviously seem to be right for a race like the Red Hook Crit. On the other side I learned that I have to get much more aggressive and confident to really be up front.

But that I am totally stoked is what counts. Stoked to develop my self further as a racer. Stoked to be one of the ladies up front. Stoked for Milano!

Thanks to everybody that was there and screamed my name during the race. You gave me the mental strength to keep pushing.

Thanks to Johanna who took me under her wings at my first Red Hook Crit and like that took away a lot of my nervousness.

Thanks to Peter for all the hard training without I would not have gotten so tough and thanks to Eike and Atzel who had fun bringing me out of my comfort zone. My training saeson couldn’t been better without you guys.

A last thank you goes out to the RSU and everybody at home that was following the race. I loved your feedback!